Kreuzprojekt
BBS Lingen AS -Agrar und Soziales-Schülerprojekt: Kunstwerk aus über 200 gespendeten alten Kreuzen
Ein besonderes Kunstprojekt nimmt konkrete Formen an. Die Schülerinnen und Schüler Jane, Dana, Beatriz, Marie, Greta und Oliver von der BBS Lingen Agrar & Soziales, arbeiten gemeinsam mit der Friedhofskommission Lingen daran, aus alten, nicht mehr benötigten Kreuzen, ein Kunstwerk auf dem Neuen Friedhof in Lingen entstehen zu lassen. Unterstützt werden die Schüler dabei von ihrer Lehrkraft Frau Beitz und dem Schulpastor Herr Wilke Ewert. In Zusammenarbeit mit der Friedhofskommission hat die Schülergruppe vor, die Kreuze wie eine Brücke schwebend vor einer Friedhofswand auf dem Neuen Friedhof zu installieren. Die Umsetzung für die Holz- und Stahlkreuze wird mit Edelstahlträgern und Spannseilen geplant. 10 Meter breit und 2 Meter hoch soll das Kunstwerk werden. Florian Heinen von der Friedhofskommission freut sich, dass hier ein Ort der Erinnerung, Verbundenheit und Hoffnung entsteht: „Bei Friedhofsführungen kann ich dieses Kunstwerk gut mit einbeziehen.“ Für die Erstellung werden Kosten in Höhe von ca. 10.000 € entstehen. Die Hanns-Lilje-Stiftung, das Kunstreferat der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, die Sparkasse Emsland, die Stadt Lingen, die Lingener Bürgerstiftung und auch Einzelpersonen haben ihre Unterstützung zugesagt. Die Gruppe ist sehr dankbar für die Unterstützung und hofft, dass noch weitere Unterstützer dazu kommen, damit alle Kosten bezahlt werden können.
Interaktives Kunstwerk auf dem Neuen Friedhof
Betritt man in Lingen den Neuen Friedhof fällt die Veränderung sofort auf. Gegenüber der Trauerhalle ist eine 10 Meter lange Stahlkonstruktion vor der Friedhofsmauer gut zu sehen und man fragt sich, was das bedeutet. „Damit haben wir schon eins unserer Ziele erreicht“ kommentiert Schulpastor Gernot Wilke-Ewert diese Wahrnehmung. „Das Kunstwerk will zum Nachdenken anregen ohne Urteile oder Deutungen aufzuzwingen.“ In der Mitte überragt ein über 3 Meter hohes ehemaliges Hofkreuz eine schwebende Brücke aus 160 Kreuzen. Zahlreiche durchbetete Kreuze, dich nicht mehr gebraucht wurden, hat eine Schülergruppe aus dem Jahrgang 13 des Beruflichen Gymnasiums der BBS Lingen Agrar und Soziales mit ihrer Fachlehrerin Annika Beitz und dem Schulpastor Gernot Wilke-Ewert gesammelt. Es sind ca. 260 Kreuze zusammengekommen. In Gesprächen und Briefen wurden die Geschichten erzählt. Manche wurden zur Hochzeit geschenkt, auf der Flucht mitgenommen, blieben bei der Wohnungsauflösung der Mutter über. In der großen Pausenhalle der BBS haben die Schüler einen Gestaltungsentwurf mit den Kreuzen ausgelegt. Auch zahlreiche andere Schüler hat das berührt. Mit den Kreuzen sollte ein neues Kunstwerk entstehen, das die Erfahrungen mit aufnimmt, aber auch neue Gedanken ermöglicht. „Kreuze mit dem sterbenden Jesus sind unmodern“, so beschreibt Gernot Wilke-Ewert die Veränderung der Frömmigkeit. Kreuze mit Korpus zeigen ehrlich, dass Leid und Schmerz zum Leben gehören, aber das will man nicht immer sehen.
Die gesammelten Kreuze sollten gewürdigt, aber auch neu gestaltet werden. Der Friedhof als Ort für die Kunst bot sich an, weil viele der ehemaligen Kreuzbesitzer auf Friedhöfen begraben sind und ein Friedhof selbst zum Nachdenken über die großen Fragen des Lebens und Sterbens einlädt. Mit der Friedhofskommission wurden ein Partner gefunden, der die Idee unterstützt und auch die Beratungen begleitet hat. Als Symbol setzte sich die Brücke durch. Die Brücke verbindet Vergangenheit und Zukunft, Nachbarn und Verwandte, die Verstorbenen mit den Trauernden. Der Vorschlag des Schulleiters Ansgar Schlesiger, sich an den Materialien der Friedhofskapelle zu orientieren, wurde gerne aufgenommen und so eine sichtbare Beziehung zur Trauerhalle hergestellt. Mit der Firma Bockmeyer wurde der Entwurf umgesetzt und an vier einbetonierten verzinkten Stahlträgern, Edelstahlseile gespannt, mit Berufsfachschülern Agrar unter Anleitung der Abiturienten die Kreuze aufgefädelt und angeschraubt. Bei der direkt im Anschluss des Aufbaus stattfindenden Eröffnung bedankte sich der Sprecher der Abiturientengruppe Oliver Langer bei den zahlreichen Spendern von Kreuzen und hob hervor, dass diese mit Respekt behandelt wurden und nun als Teil der Brücke einen weiteren Sinn bekommen.
Hinter einigen Kreuzen sind Klammern angebraucht, an denen die Besucher Zettel mit ihren Gedanken zur Kreuzbrücke oder ihren Dank oder ihre Anliegen aufschreiben und befestigen können. So ist das Kunstwerk selbst interaktiv und entwickelt sich weiter. Auf ein Dach wurde bewusst verzichtet. Die Naturmaterialien Holz und Edelstahl sind für lange Zeit wetterbeständig. Und sollte mal ein Kreuz verwittern, wird es von den Schülern der BBS bei der jährlichen Revision ausgetauscht. Finanziell unterstützt wurden das Projekt von der Hanns-Lilje Stiftung, der Wisnewsky Stiftung, dem Kunstreferat der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, der Sparkasse Emsland, der Stadt Lingen und der Lingener Bürgerstiftung.
Florian Heinen, Geschäftsführer der Friedhofkommission, hob in seinem Grußwort die Nachhaltigkeit des Projektes hervor und würdigte die Installation als Ort der Begegnung. Der Oberbürgermeister Dieter Krone lobte das Engagement der Abiturienten. Dem schloss sich der Schulleiter Ansgar Schlesiger in seinem Grußwort an und beschrieb, wie praxisnahes Lernen in diesem Projekt genau den Anforderungen von Unterricht in der Oberstufe entspricht. Und die Schüler sagten selbst, dass sie viel gelernt haben und selbstständiger geworden sind.